Deine Website muss kein digitales Kunstwerk sein, das in einer Galerie hängt. Sie muss genau drei Dinge tun: funktionieren, Vertrauen aufbauen und dafür sorgen, dass das Telefon klingelt. Hier ist die ehrliche Checkliste fürs Handwerk — ohne Schnickschnack, dafür mit allem, was wirklich zählt.
Die Pflichtbausteine, die keine Website auslassen darf
Wenn du nur fünf Dinge richtig machst, dann diese hier — der ganze Rest ist Kür:
- Echte Team- und Arbeitsfotos statt steriler Stockbilder. Niemand glaubt dem lächelnden Model mit dem funkelnagelneuen Werkzeug, dass es je eine Schraube angefasst hat.
- Eine klare Liste deiner Leistungen — für Kunden zum Verstehen und für Google zum Finden.
- Dein Einzugsgebiet, schwarz auf weiß: „Greven + 30 km Umkreis“ sagt mehr als ein vages „bundesweit tätig“, das ohnehin kaum jemand glaubt.
- Mobile Kontaktwege: ein dicker Anruf-Button und ein schlankes Formular. Deine Kunden stehen auf der Leiter, nicht am Schreibtisch.
- Rechtssicheres Impressum und Datenschutz. Unsexy, aber immer noch günstiger als jede Abmahnung.
Klingt nach gesundem Menschenverstand? Ist es auch. Trotzdem fehlt mindestens einer dieser Punkte auf gefühlt jeder zweiten Handwerker-Website da draußen.
Warum echte Fotos so viel ausmachen
Das ist der Punkt mit dem größten Unterschied zwischen Aufwand und Wirkung. Ein Kunde kann nicht beurteilen, ob du gut verputzt — aber er kann sehen, ob die Baustelle auf deinen Fotos aufgeräumt aussieht, ob das Ergebnis sauber ist, ob dein Fahrzeug ordentlich beschriftet ist.
Und keine Sorge wegen der Kameraqualität. Ein Handyfoto bei Tageslicht von einer echten, gelungenen Arbeit schlägt jedes gekaufte Stockbild. Was zählt, ist Echtheit — Kunden erkennen den Unterschied zuverlässiger, als man denkt.
Praktischer Tipp: Gewöhn dir an, bei jedem abgeschlossenen Auftrag zwei Fotos zu machen — vorher und nachher. Nach einem halben Jahr hast du eine Galerie, um die dich jeder Wettbewerber beneidet, und es hat dich pro Auftrag dreißig Sekunden gekostet.
Der Notfall-Kunde denkt anders
Im Handwerk gibt es zwei völlig verschiedene Besuchertypen, und die meisten Websites bedienen nur einen. Der eine plant ein neues Bad und vergleicht in Ruhe über zwei Wochen. Der andere steht sonntags im Wasser und braucht in den nächsten zehn Minuten jemanden.
Für den zweiten ist alles auf deiner Seite irrelevant außer der Telefonnummer. Sie muss ohne Scrollen sichtbar und mit einem Fingertipp wählbar sein. Wer erst ins Menü, dann auf Kontakt und dann auf die Nummer tippen muss, hat inzwischen längst den nächsten Treffer angerufen.
Wer sonntags mit Wasserschaden sucht, liest keine Firmengeschichte. Er tippt auf die erste Nummer, die er sieht.
Das Einzugsgebiet konkret benennen
Ein Umkreis von 50 Kilometern ist eine Angabe, mit der niemand etwas anfangen kann — kaum jemand weiß auswendig, ob sein Ort da reinfällt. Schreib stattdessen die Orte hin: Greven, Emsdetten, Saerbeck, Nordwalde, Münster.
Das hat zwei Effekte auf einmal. Der Kunde bekommt sofort eine Antwort auf seine wichtigste Vorabfrage, und Google versteht, für welche Orte du überhaupt relevant bist. Ein einziger Absatz, zwei Probleme gelöst. Wie das systematisch funktioniert, steht im Beitrag Local SEO in 3 Schritten.
Der übersehene Zweck: Mitarbeiter finden
Fachkräfte sind knapp, und der erste Schritt jedes Bewerbers ist derselbe: die Website ansehen. Was er dort findet, entscheidet oft schon vor der Bewerbung. Eine Seite von 2013 mit drei verpixelten Bildern sagt einem 24-jährigen Gesellen mehr über den Betrieb, als jede Stellenanzeige es könnte.
Ein einfacher Bereich mit Team, Arbeitsalltag, Ausstattung und offenen Stellen kostet in der Ersteinrichtung wenig und arbeitet danach dauerhaft. Für viele Betriebe ist das inzwischen der wertvollere Teil der Website — Aufträge gäbe es genug, es fehlen die Leute, die sie ausführen.
Was du getrost weglassen kannst
Zum Schluss die entlastende Liste. Diese Dinge brauchst du nicht, auch wenn sie dir jemand verkaufen will:
- Eine aufwendige Startseiten-Animation, die drei Sekunden lädt.
- Einen Blog, den du nach zwei Beiträgen nicht weiterführst.
- Ein Kundenportal, solange dich niemand danach gefragt hat.
- Eine Chat-Funktion, bei der nie jemand antwortet — das ist schlimmer als keine.
Konzentrier dich auf die Grundlagen, bring sie richtig gut, und ergänz den Rest, wenn ein echter Bedarf da ist. Wie wir Handwerker-Websites aufbauen, steht unter Webdesign für Handwerker.
Preise nennen oder nicht?
Die meistdiskutierte Frage im Handwerk, und die Antwort lautet fast immer: teilweise. Exakte Festpreise gehen bei individuellen Arbeiten selten, aber komplettes Schweigen kostet dich Anfragen — und beschert dir dafür die falschen.
Bewährt haben sich Größenordnungen und Rahmenwerte: Was kostet ein Standard-Wartungstermin, ab welchem Betrag startet eine typische Badsanierung, was berechnest du für die Anfahrt im Notdienst. Das sind keine Angebote, sondern Einordnungen — und sie filtern zuverlässig Interessenten heraus, deren Vorstellungen ohnehin nicht passen.
Der Effekt ist doppelt: Du sparst dir Angebote für Anfragen, aus denen nie etwas wird, und du wirkst souverän. Wer offen über Geld spricht, hat erfahrungsgemäß nichts zu verbergen — und genau so lesen Kunden es auch.
Der Foto-Trick, der dich dreißig Sekunden kostet
Wenn du aus diesem Artikel eine einzige Gewohnheit mitnimmst, dann diese: Fotografiere jede Baustelle zweimal. Einmal vorher, einmal nachher. Immer aus derselben Position.
Vorher-Nachher-Vergleiche sind das mit Abstand überzeugendste Material, das ein Handwerksbetrieb haben kann. Sie zeigen deine Arbeit in einer Form, die ein Laie sofort bewerten kann — was bei einer fertig verputzten Wand allein nicht funktioniert, weil man das Ergebnis ohne Ausgangszustand nicht einordnen kann.
Der Aufwand liegt bei dreißig Sekunden pro Auftrag. Nach einem halben Jahr hast du eine Galerie, für die andere Betriebe einen Fotografen buchen müssten. Wichtig ist nur, die Kunden vorher kurz um Erlaubnis zu fragen — bei Privatwohnungen ist das Pflicht und meistens eine Formsache.
FAQ zum Thema
Reicht für den Anfang nicht eine einzige Seite?+
Absolut. Ein gut gemachter Onepager schlägt eine halbfertige Seite mit zehn Unterseiten jederzeit. Lieber eine Seite, die sitzt, als fünf, die niemand zu Ende liest. Erweitern kannst du später jederzeit.
Ich habe keine guten Fotos. Was jetzt?+
Für den Start arbeiten wir mit hochwertigem Bildmaterial und planen eigene Fotos für später ein. Gewöhn dir parallel an, bei jedem Auftrag zwei Handyaufnahmen zu machen — vorher und nachher. Nach ein paar Monaten hast du genug Material für eine überzeugende Galerie.
Was kostet eine Handwerker-Website?+
Ein Onepager mit Leistungen, Projektfotos, Einzugsgebiet und Kontakt startet bei 499 € netto. Wenn du klar getrennte Gewerke anbietest und für jedes eigenständig gefunden werden willst, ist ein Multipager ab 699 € netto sinnvoller.
Brauche ich ein Kontaktformular, wenn ohnehin alle anrufen?+
Ja, als Ergänzung. Ein Teil deiner Kunden — vor allem jüngere und Berufstätige — schreibt lieber abends um zehn eine Nachricht, als tagsüber anzurufen. Wichtig ist nur, dass das Formular kurz ist und tatsächlich zustellt. Letzteres solltest du regelmäßig prüfen.
Geschrieben von Marcel Rene Heinrich
Gründer und Webdesigner von MH Studios. Erstellt professionelle, rechtssichere Websites für Unternehmen, Selbstständige und Betriebe jeder Branche im Münsterland.
