„In 5 Minuten zur eigenen Profi-Website!“ verspricht die Werbung — im selben Tonfall, in dem die Chipstüte verspricht, dass man nach einer aufhören kann. Beides stimmt eher selten. Schauen wir nüchtern, was ein Baukasten wie Wix wirklich kann und wo die Profi-Lösung die Nase vorn hat. Inklusive der Punkte, bei denen der Baukasten gewinnt.
Die Kostenfalle hinter dem Lockangebot
Auf den ersten Blick ist ein Baukasten spottbillig. Dann willst du aber eine eigene E-Mail-Adresse, keine fremde Werbung auf deiner Seite und ein paar anständige SEO-Funktionen — und plötzlich klettern die Monatsgebühren wie die Heizkosten im Januar. Über drei bis fünf Jahre gerechnet zahlst du oft mehr als für ein einmaliges Agenturprojekt.
Rechnen wir konkret: Ein Business-Tarif mit eigener Domain, werbefreier Darstellung und brauchbaren Funktionen liegt je nach Anbieter bei 20 bis 35 € im Monat. Über fünf Jahre sind das 1.200 € bis 2.100 €. Ein Onepager vom Profi kostet einmalig ab 499 € plus rund 10 € Hosting im Monat, macht über fünf Jahre etwa 1.099 €. Nur mit dem Unterschied, dass die Website dann dir gehört und nicht zur Miete läuft.
Ladezeit und SEO: der unsichtbare Bremsklotz
Baukastensysteme schleppen im Hintergrund jede Menge Code-Ballast mit sich herum, den deine Seite nie gebraucht hat — wie ein Kombi, der dauerhaft mit angezogener Handbremse fährt. Das kostet Ladezeit, und Ladezeit ist ein direkter Rankingfaktor bei Google. Im lokalen Wettbewerb zieht die Baukastenseite deshalb erstaunlich oft den Kürzeren.
Fairerweise: Die Systeme sind in den letzten Jahren deutlich besser geworden. Eine schlanke, gut gebaute Baukastenseite schlägt jede aufgeblähte Individuallösung. Der strukturelle Nachteil bleibt trotzdem, weil du an den Grundlagen nichts ändern kannst — du bekommst, was der Anbieter liefert.
Ein Baukasten ist super, um etwas auszuprobieren. Deine Geschäftsgrundlage ist aber kein Probelauf.
Wem die Website eigentlich gehört
Das ist der Punkt, der in Vergleichen fast immer fehlt, und aus unserer Sicht der wichtigste. Bei einem Baukasten mietest du. Kündigst du den Tarif, ist die Seite offline — nicht in einer abgespeckten Version, sondern weg. Exportieren lässt sich in der Regel nur der reine Text, nicht das Design und nicht die Struktur.
Das heißt praktisch: Du kannst nicht umziehen. Wer nach vier Jahren zu einem anderen Anbieter wechseln will, fängt bei null an — inklusive der SEO-Arbeit, die in der Zwischenzeit reingeflossen ist. Diese Abhängigkeit hat einen Preis, der auf keiner Rechnung steht.
Wo der Baukasten tatsächlich gewinnt
Damit das hier kein einseitiges Plädoyer wird — es gibt Situationen, in denen wir selbst zum Baukasten raten würden:
- Du testest eine Geschäftsidee und weißt noch nicht, ob sie trägt.
- Es ist ein Nebenprojekt, das keinen Umsatz tragen muss.
- Du brauchst die Seite übermorgen und hast niemanden, der sie baut.
- Du hast Spaß daran, selbst zu basteln — das ist ein völlig legitimer Grund.
Sobald die Website aber der Kanal ist, über den echte Aufträge reinkommen, kippt die Rechnung. Dann geht es nicht mehr um Monatsgebühren, sondern darum, ob dich Leute finden und ob sie anfragen.
Der versteckte Kostenblock: deine Zeit
Die ehrlichste Zahl im Baukastenvergleich fehlt in allen Werbeversprechen: der Zeitaufwand. Realistisch sitzt du für eine ordentliche Seite mit eigenen Texten, brauchbaren Bildern und korrekten Rechtstexten zwischen 20 und 40 Stunden dran — verteilt auf Abende und Wochenenden.
Rechne das mit deinem eigenen Stundensatz gegen. Bei den meisten Selbstständigen ist das Ergebnis eindeutig, und zwar deutlich. Die 499 € für einen fertigen Onepager entsprechen bei vielen Betrieben etwa vier bis sechs abrechenbaren Stunden.
Ich habe schon eine Baukastenseite — und jetzt?
Kein Grund zur Panik und erst recht keiner für ein schlechtes Gewissen. Für den Start war sie genau richtig, und du hast dabei etwas gelernt, das kein Konzept ersetzt: Du weißt jetzt, welche Fragen deine Kunden stellen und welche Inhalte tatsächlich genutzt werden.
Beim Umstieg lässt sich vieles mitnehmen — Texte, Bilder, Struktur, Erkenntnisse. Wichtig ist nur, die alten Adressen sauber auf die neuen weiterzuleiten, damit bestehende Google-Platzierungen nicht verloren gehen. Wie ein solcher Umstieg abläuft, steht unter Website erstellen lassen. Und wenn du noch unentschlossen bist, hilft die Entscheidungshilfe Baukasten vs. Agentur.
Der Punkt, an dem Baukasten-Projekte typischerweise scheitern
Interessanterweise scheitern Baukastenseiten selten beim Bauen. Die ersten zwei Stunden machen sogar Spaß: Vorlage aussuchen, Farben anpassen, Logo hochladen, es sieht schnell nach etwas aus.
Der Bruch kommt beim leeren Textfeld. Was schreibt man unter die Überschrift Leistungen? Wie erklärt man in drei Sätzen, warum jemand ausgerechnet einen beauftragen sollte? An dieser Stelle liegen erstaunlich viele Projekte monatelang auf Eis — die Seite ist zu 80 Prozent fertig und geht trotzdem nie live.
Das ist kein Argument gegen Baukästen, sondern eines für Ehrlichkeit bei der Selbsteinschätzung. Wenn du weißt, dass Schreiben dir schwerfällt, ist genau das der Posten, den du auslagern solltest — unabhängig davon, wer am Ende die Seite baut.
Rechtssicherheit: der unterschätzte Unterschied
Baukastenanbieter liefern in der Regel einen Generator für Impressum und Datenschutzerklärung mit. Das ist besser als nichts, deckt aber nur den Standardfall ab. Sobald du ein Kartenelement einbindest, ein Video einbettest oder ein Analysewerkzeug aktivierst, müsste der Text mitwachsen — automatisch passiert das nicht.
Dazu kommt ein struktureller Punkt: Bei manchen Systemen werden Schriftarten oder Skripte von externen Servern nachgeladen, ohne dass du das abschalten kannst. Was rechtlich heikel ist, liegt dann außerhalb deines Einflussbereichs — und die Verantwortung trägst trotzdem du als Betreiber.
Wer selbst baut, sollte deshalb einmal gezielt prüfen, welche externen Verbindungen die eigene Seite aufbaut. Das ist ein Nachmittag Arbeit und deutlich günstiger als der Brief, der sonst irgendwann kommt.
FAQ zum Thema
Ich habe schon eine Wix-Seite — war das jetzt rausgeworfenes Geld?+
Überhaupt nicht. Für den Start war sie genau richtig, und vieles davon — Texte, Bilder, deine Erfahrungen, was funktioniert hat — lässt sich übernehmen. Sieh es als Praktikum für deine künftige Profi-Seite.
Kann ich meine Baukasten-Website umziehen?+
Nur teilweise. Texte und Bilder lassen sich exportieren, Design und Struktur in der Regel nicht — die gehören zum System. Praktisch heißt das: Der Umzug ist ein Neuaufbau mit übernommenen Inhalten. Deshalb ist es wichtig, Weiterleitungen einzurichten, damit bestehende Rankings erhalten bleiben.
Sind Baukastenseiten wirklich schlechter für SEO?+
Nicht grundsätzlich, aber sie haben strukturelle Nachteile bei Ladezeit und technischer Feinsteuerung. Eine schlanke Baukastenseite schlägt eine aufgeblähte Individuallösung jederzeit. Der Unterschied wird vor allem dann spürbar, wenn du in einem umkämpften Markt um die vorderen Plätze konkurrierst.
Was passiert, wenn ich den Baukasten-Tarif kündige?+
Die Seite geht offline. Nicht in einer reduzierten Version, sondern vollständig. Auch die E-Mail-Adressen, die über den Anbieter laufen, sind dann betroffen. Deshalb ist es sinnvoll, die Domain separat zu registrieren — dann gehört zumindest die Adresse dir.
Geschrieben von Marcel Rene Heinrich
Gründer und Webdesigner von MH Studios. Erstellt professionelle, rechtssichere Websites für Unternehmen, Selbstständige und Betriebe jeder Branche im Münsterland.
